Lernen Lerntherapie Praxis
das kann ich gut, stärken und Ressourcen

Wenn ein Kind mit Herausforderungen im Lernen zu mir in die Lerntherapie nach Neu Wulmstorf kommt, bringt es meist einen unsichtbaren Rucksack voller Misserfolge mit. Im Schulalltag dreht sich fast alles um das, was noch nicht klappt: die vergessenen Buchstaben, die Rechenfehler, die fehlende Konzentration, das Zappeln, das Streiten, das Träumen etc. Der rote Stift beherrscht oftmals das Bild. Das hinterlässt Spuren im Selbstwertgefühl der Kinder. Sie beginnen zu glauben, sie seien selbst das Problem.

Dabei liegt der Schlüssel zu leichtem, erfolgreichem Lernen an einer ganz anderen Stelle. Nicht beim mühsamen Reparieren von Schwächen, sondern beim Entdecken und Feiern der eigenen Stärken. Wenn ein Kind wieder spürt, was es richtig gut kann, kehrt auch die Energie zurück, sich den schwierigeren Herausforderungen zu stellen.

Der Aufruf zur Blogparade „Das kann ich gut“ von Anja Dix  fokussiert genau das. Es war klar, dass ich dieses Thema aufgreife, denn es gehört zu jeder Lerntherapie. Denn Ressourcenorientierung ist das Fundament jeder gesunden Entwicklung.

Der Blickwechsel: Weg vom Fehler, hin zur Ressource

In meiner täglichen Praxis erlebe ich es immer wieder: Sobald wir den Fokus verschieben, verändert sich die gesamte Dynamik. Ein Kind, das sich selbst beim Lesen als „langsam“ oder „fehlerhaft“ erlebt, ist vielleicht gleichzeitig eine kreative Geschichtenerzählerin, eine feinfühlige Beobachterin oder eine Meisterin im logischen Kombinieren beim Bauen mit Bausteinen.

Diese Fähigkeiten sind das Fundament, auf dem wir die lerntherapeutische Unterstützung aufbauen.

Lernen benötigt emotionale Sicherheit. Nur wer sich grundsätzlich sicher und kompetent fühlt, traut sich, Fehler zu machen. Manche Eltern sind erstaunt darüber, wie schnell Kinder bei mir lesen und schreiben lernen. Ein wesentlicher Schlüssel dafür ist das, was ich selbst besonders gut kann: Ich kann unglaublich schnell einen echten, vertrauensvollen Kontakt zu den Kindern aufbauen und eine warme, wertschätzende Atmosphäre schaffen. Erst in dieser geborgenen Umgebung trauen sie sich, aus sich herauszugehen.

Hinzu kommt meine grundlegende systemische Haltung, die jeden Fehler als wertvollen Lösungsversuch und natürlichen Teil des Lernprozesses begreift. Ich finde es erst einmal immer toll, wenn Kinder die Dinge mutig angehen. Motivation entsteht durch das Erleben von Selbstwirksamkeit. Das warme Gefühl von „Ich habe das selbst geschafft!“ ist der stärkste Antrieb, den es gibt. Kein Lob von außen ersetzt diese wertvolle innere Erfahrung.

 

Praktische Wege, um die Stärken im Alltag sichtbar zu machen

Wie schaffen wir es im trubeligen Familien- oder Schulalltag, diesen Blick für das Gelungene nicht zu verlieren? Es braucht dafür keine aufwendigen Projekte, sondern kleine, bewusste Rituale im Alltag.

  • Das „Stärkenschatzkästchen“ füllen: Suche gemeinsam mit deinem Kind nach kleinen Momenten, die gut gelaufen sind. Das muss überhaupt nichts mit der Schule zu tun haben. Hat das Kind heute besonders geduldig mit dem Hund gespielt? Hat es beim Kochen geholfen oder ein Bild gemalt? Schreibt diese Beobachtungen auf kleine Zettel und sammelt sie in einer kleinen Kiste. Wenn ein Tag mal richtig grau war, zieht ihr gemeinsam einen Zettel heraus und erinnert euch an diese Stärke.
  • Die Sprache verändern: Statt zu sagen: „Das hast du heute aber schon besser gemacht als gestern“, können wir direkt beschreiben, was wir beobachten: „Ich habe gesehen, wie konzentriert du heute an deinen Aufgaben gearbeitet hast. Du hast dir richtig Zeit gelassen.“ Das stärkt das Bewusstsein für das eigene Handeln, ganz ohne bewertenden Vergleich.

Für pädagogische Fachkräfte und Lerntherapeut:innen, die Kinder beim Lesen- und Schreibenlernen begleiten, zeige ich in meinem praxisnahen Online-Workshop Vom Buchstaben zum Text, wie wir diese spielerische, stärkenorientierte Haltung direkt in die eigene Begleitung übersetzen können.

Die Stärkenschatzkiste

Fazit & Deine Einladung

Wenn wir aufhören, Kinder nur durch die Brille ihrer Defizite zu sehen, öffnet sich ein Raum voller Möglichkeiten. Jedes Kind bringt seine ganz eigenen, wertvollen Schätze mit. Es ist unsere Aufgabe als Eltern, Lerntherapeut:innen und Pädagog:innen, diese Schätze gemeinsam mit ihnen zu bergen und sie spüren zu lassen, was sie alles schon fantastisch können, damit wir sie in die Lage versetzen, selbst sagen zu können (und dies auch zu glauben): „Das kann ich gut!“

Dieser Artikel ist mein persönlicher Beitrag zur Blogparade von Anja Dix zum Thema „Das kann ich gut“

Welche Stärke bringt dein Kind oder ein Kind, das du begleitest, zum Leuchten? Wie gelingt es dir im Alltag, den Fokus auf das Positive zu lenken? Schreib es mir gerne unten in die Kommentare – ich freue mich auf den echten Austausch mit dir!

Frage: Warum ist die Ressourcenorientierung in der Lerntherapie so wichtig?

Antwort: Kinder mit Lernschwierigkeiten erleben oft eine chronische Überforderung und Misserfolge. Konzentrieren wir uns stattdessen auf ihre Stärken, bauen wir ihr Selbstwertgefühl wieder auf. Das gibt ihnen die emotionale Sicherheit, die sie brauchen, um sich auch schwierigen Lerninhalten zu öffnen.

Frage: Wie kann ich mein Kind unterstützen, wenn es selbst glaubt, nichts gut zu können?

Antwort: Beginne im Kleinen und beschreibe konkrete, alltägliche Beobachtungen („Ich mag, wie herzlich du lachst“ oder „Wie toll du geholfen hast“). Vermeide vergleichende Floskeln und zeige deinem Kind durch dein ungeteiltes Interesse an seinen Hobbys, dass sein Wert völlig unabhängig von Schulnoten ist.

Wer schreibt hier?

  • Diplom-Pädagogin Anja Langner

    Anja Langner ist Lerntherapeutin, Coach und Supervisorin – mit Herz, Klarheit und einem feinen Gespür für die Menschen, die sie begleitet. Ihre Arbeit verbindet fundiertes Fachwissen mit inspirierender Praxisnähe. In ihren Texten schafft sie Räume für Reflexion, Ermutigung und neue Perspektiven – für alle, die sich mit Lernprozessen, Veränderung und persönlicher Entwicklung beschäftigen.
    Mehr über Anja und ihre Arbeit findest du auf Lerntherapie oder SystemKompass

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